MARKTANKER
Marketing seit 2014 · Essen
JOURNAL · RATGEBER · PFLEGE
30.09.2026
LESEZEIT 12 MIN
RUHRGEBIET · DE
Ratgeber · Marketingkonzept ambulante Pflege

Marketingkonzept Ambulante Pflege.
Die Vorlage In 8 Schritten.

Kein Theorie-Kapitel, sondern ein Konzept zum Ausfüllen: von der Ist-Analyse über Zielgruppen und Einsatzgebiet bis zum 90-Tage-Plan mit Kennzahlen. Für Pflegedienste mit einem oder mehreren Standorten.

Von Denis Treter · Marktanker · Veröffentlicht 30.09.2026 · 12 Min Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Marketingkonzept für ambulante Pflegedienste beantwortet vier Fragen: Wen willst du erreichen, wo, mit welcher Botschaft und über welchen Kanal.
  • Du planst für vier Zielgruppen: Pflegebedürftige, Angehörige, Zuweiser und Pflegekräfte.
  • Der Engpass ist meist Personal, nicht Nachfrage. Deshalb gehört Recruiting in jedes Konzept.
  • Das Einsatzgebiet folgt der Tourenlogik. Werbung außerhalb deiner Touren kostet Geld und bringt Absagen.
  • Mit einem 90-Tage-Plan und fünf Kennzahlen siehst du nach drei Monaten, was wirkt.

Inhalt

  1. Was ist ein Marketingkonzept für ambulante Pflege?
  2. Schritt 1: Ist-Analyse
  3. Schritt 2: Zielgruppen
  4. Schritt 3: Positionierung
  5. Schritt 4: Einsatzgebiet
  6. Schritt 5: Kanäle
  7. Schritt 6: Budgetrahmen
  8. Schritt 7: Maßnahmenplan für 90 Tage
  9. Schritt 8: KPIs
  10. Typische Fehler
  11. Häufige Fragen

Was ist ein Marketingkonzept für ambulante Pflege?

Ein Marketingkonzept für ambulante Pflege ist ein schriftlicher Plan. Er legt fest, welche Menschen dein Pflegedienst erreichen will, in welchem Gebiet, mit welcher Botschaft und über welche Kanäle. Dazu kommen Budget, Zeitplan und Kennzahlen. Das Ergebnis passt auf zehn Seiten. Mehr braucht es nicht.

Wer nach „Marketingkonzepte für ambulante Pflegedienste“ sucht, findet vor allem Studien und Abschlussarbeiten. Die erklären gut, warum Marketing in der Pflege anders funktioniert. Sie sagen aber selten, was du am Montag tun sollst. Dieser Ratgeber ist deshalb als Vorlage gebaut: acht Schritte, jeweils mit Tabelle oder Checkliste.

Marketingkonzept und Pflegekonzept: der Unterschied

Das Pflegekonzept beschreibt, wie ihr pflegt: Pflegeverständnis, Pflegemodell, Abläufe und Qualitätsanspruch. Es ist Teil deines Qualitätsmanagements. Das Marketingkonzept beschreibt, wie Klienten und Mitarbeitende zu dir finden. Beide hängen zusammen. Was im Pflegekonzept steht, liefert die glaubwürdigsten Argumente für deine Werbung.

Schritt 1: Ist-Analyse

Die Ist-Analyse zeigt, woher deine Anfragen heute kommen und wo sie verloren gehen. Ohne diese Zahlen planst du ins Blaue. Sammle die Daten der letzten sechs Monate. Wenn es keine gibt, starte jetzt mit einer einfachen Strichliste am Telefon.

KennzahlFrage dahinterQuelle
Anfragen pro MonatWie viele Familien melden sich?Telefonliste, Formular, E-Mail
Anfragen nach QuelleHausarzt, Klinik, Google, Empfehlung, Flyer?eine Pflichtfrage im Erstgespräch
AufnahmequoteWie viele Anfragen werden zu Klienten?Pflegesoftware, Aufnahmeliste
AbsagegründeKeine Kapazität, falsches Gebiet, falsche Leistung?Telefonliste
TourenauslastungWelche Touren haben Luft, welche sind voll?Tourenplanung
Offene StellenWie viele Kräfte fehlen für die nächste Tour?Personalplanung
Google-SichtbarkeitErscheinst du bei „Pflegedienst + Stadt“ in der Karte?eigene Suche, Unternehmensprofil
BewertungenAnzahl, Schnitt, letzte Bewertung wann?Google-Profil

Schau dir danach den Wettbewerb an. Suche bei Google nach „Pflegedienst“ plus deine Stadt und deine wichtigsten Stadtteile. Notiere, wer in der Karte oben steht, wie viele Bewertungen diese Dienste haben und wie ihre Websites aufgebaut sind. Zwanzig Minuten reichen für ein klares Bild.

Schritt 2: Zielgruppen

Ein ambulanter Pflegedienst hat vier Zielgruppen. Jede entscheidet anders und ist an anderen Orten erreichbar. Wer alle mit derselben Botschaft anspricht, erreicht keine richtig.

ZielgruppeWas sie wissen willWo du sie erreichstKernbotschaft
PflegebedürftigeWer kommt ins Haus? Bleibt die Selbstständigkeit erhalten?Hausarzt, Apotheke, Nachbarschaft, PrintFeste Bezugspersonen, verlässliche Zeiten
AngehörigeHabt ihr Kapazität? Was zahlt die Kasse? Wie schnell geht es?Google, Website, Klinik, EmpfehlungRückruf am selben Tag, Hilfe bei Anträgen
ZuweiserIst der Dienst verlässlich? Wer ist der feste Kontakt?persönlicher Besuch, Telefon, E-MailFeste Durchwahl, schnelle Zusage, klare Leistungsgrenzen
PflegekräfteDienstplan, Gehalt, Tourlänge, Team, Fahrzeug?Social Media, Google, Jobportale, eigenes TeamPlanbare Dienste, transparente Bezahlung

Die wichtigste Gruppe für die Werbung sind oft die Angehörigen. Sie suchen, vergleichen und rufen an. Laut Pflegestatistik des Statistischen Bundesamts wurden im Dezember 2023 rund 4,9 Millionen Pflegebedürftige zu Hause versorgt, davon etwa 3,1 Millionen vor allem durch Angehörige. Das sind die Familien, die früher oder später Unterstützung brauchen.

Schritt 3: Positionierung

Positionierung heißt: Du sagst in einem Satz, warum eine Familie oder eine Pflegekraft gerade dich wählen sollte. „Pflege mit Herz“ reicht dafür nicht, das sagt jeder. Gute Positionierungen sind konkret und prüfbar.

Mögliche Schwerpunkte:

  • Leistung: außerklinische Intensivpflege nach § 37c SGB V, Wundversorgung, Palliativpflege, Versorgung bei Demenz
  • Gebiet: der Dienst für einen klar umrissenen Stadtteil, mit kurzen Wegen
  • Sprache: Pflege auf Deutsch und in weiteren Sprachen, die dein Team wirklich spricht
  • Service: Rückruf am selben Tag, Hilfe beim Pflegegrad-Antrag, feste Bezugspflegekraft

Die Vorlage für deinen Satz: „Wir sind der Pflegedienst für [Zielgruppe] in [Gebiet], der [konkretes Versprechen] – weil [Beleg].“ Beispiel: „Wir sind der Pflegedienst für Familien in Essen-Borbeck, der innerhalb von 48 Stunden die Versorgung startet – weil wir ein Aufnahmeteam mit eigener Tour haben.“ Schreib nur, was du halten kannst.

Schritt 4: Einsatzgebiet

Das Einsatzgebiet ist in der ambulanten Pflege ein Marketing-Thema. Jeder Klient außerhalb der Tour kostet Fahrzeit, die dir niemand bezahlt. Definiere deshalb drei Zonen:

  1. Kerngebiet: Stadtteile, in denen deine Touren dicht sind. Hier wirbst du aktiv.
  2. Randgebiet: Stadtteile, die du mitversorgst, wenn es in die Tour passt. Hier wirbst du nur bei freier Kapazität.
  3. Außerhalb: Kein Werbe-Euro. Anfragen gibst du freundlich an Kollegen weiter.

Die Nachfrage ist lokal hoch. Laut Google-Ads-Daten suchen Menschen in Deutschland monatlich rund 1.600-mal nach „Pflegedienst Dortmund“, etwa 1.000-mal nach „Pflegedienst Essen“ und etwa 720-mal nach „Pflegedienst Duisburg“. Dazu kommen Suchen mit Stadtteilnamen und „in der Nähe“. Dein Kerngebiet bestimmt, für welche dieser Suchen du sichtbar sein musst. Bei mehreren Stützpunkten gilt das pro Standort – so setzen wir es auch im Marketing für Pflegedienste mit mehreren Standorten um.

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Schritt 5: Kanäle

Die Kanäle wählst du nach Ziel, nicht nach Mode. Jede Zielgruppe hat zwei bis drei Kanäle, die wirklich tragen. Den Rest lässt du weg.

ZielHauptkanalErgänzung
Mehr Anfragen von AngehörigenGoogle-Unternehmensprofil und WebsiteGoogle Ads bei freier Kapazität
Mehr Zuweisungenpersönliche Besuche, KapazitätsmeldungFlyer als Auslage
Mehr BewerbungenKarriereseite, Social AdsGoogle for Jobs, Mitarbeiterempfehlung
Mehr Bekanntheit im StadtteilFahrzeugbeschriftung, lokale PresseInfoabende, Stadtteilfeste

Die Website ist das Ziel fast aller Kanäle. Wenn sie Einsatzgebiete, Leistungen und Kontakt nicht klar zeigt, verpufft jeder andere Euro. Wie eine Pflegedienst-Website aufgebaut sein sollte, zeigt unsere Seite zur Website-Erstellung. Einen ausführlichen Vergleich aller Werbewege mit Kosten findest du im Ratgeber Werbung für Pflegedienste.

Schritt 6: Budgetrahmen

Das Budget besteht aus Geld und Arbeitszeit. Bei kleinen Diensten ist die Zeit oft der knappere Faktor. Plane deshalb beides. Die folgenden Rahmen sind Orientierungswerte aus unserer Einschätzung, keine Norm. Sie hängen stark von Wettbewerb und Größe ab.

StufeFür wenArbeitszeit pro WocheLaufendes Budget
BasisEin Standort, Touren gut ausgelastet2–3 Std.kaum laufende Kosten: Profil, Bewertungen, Zuweiser
WachstumFreie Kapazität oder neuer Standort4–6 Std.zusätzlich Google Ads, Klickpreise laut Google-Ads-Daten rund 3–4 € pro Klick
Recruiting-FokusPersonal ist der Engpass3–5 Std.zusätzlich Social Ads und Stellenanzeigen

Einmalige Kosten kommen dazu: eine Website mit Leistungs- und Gebietsseiten, Fotos vom Team, Fahrzeugbeschriftung und Druck. Plane sie getrennt vom laufenden Budget. Und leg vorher fest, ab welcher Zahl an Anfragen oder Bewerbungen sich eine Maßnahme lohnt.

Schritt 7: Maßnahmenplan für 90 Tage

Ein Marketingkonzept ohne Termine bleibt ein Dokument. 90 Tage sind ein guter Zeitraum. Lang genug für erste Ergebnisse, kurz genug, um nachzusteuern.

ZeitraumMaßnahmenErgebnis
Woche 1–2Ist-Analyse, Anfragequelle als Pflichtfrage einführen, Google-Profil vollständig pflegenZahlenbasis und sauberes Profil
Woche 3–4Positionierungssatz, Einsatzgebiet in Zonen, Verzeichnisse vereinheitlichenKlare Botschaft, einheitliche Daten
Woche 5–8Website überarbeiten: Leistungsseiten, Gebietsliste, Rückrufformular, KarriereseiteWebsite, die Anfragen bringt
Woche 5–8Zuweiser-Liste anlegen, zehn persönliche Besuche, wöchentliche KapazitätsmeldungStabiler Draht zu Praxen und Kliniken
Woche 9–12Google Ads für das Kerngebiet oder Recruiting-Anzeigen, je nach EngpassGezielt gefüllte Touren oder Bewerbungen
Tag 90Auswertung aller Kennzahlen, Plan für die nächsten 90 TageEntscheidung: ausbauen, ändern, stoppen

Bei bezahlten Kanälen gilt: erst messen, dann skalieren. Wie das bei Suchanzeigen aussieht, zeigt unsere Seite zur Google-Ads-Agentur. Für Recruiting-Kampagnen mit echten Mitarbeitenden ist eine Social-Media-Agentur der passende Partner.

Schritt 8: KPIs

Fünf Kennzahlen reichen für einen Pflegedienst. Mehr lenkt ab. Wichtig ist, dass du sie jeden Monat gleich misst.

KPIDefinitionWie du misst
Anfragen pro MonatNeue Kontaktaufnahmen von Klienten oder AngehörigenTelefonliste plus Formular
Anteil passender AnfragenAnfragen aus deinem Kerngebiet mit passender LeistungTelefonliste mit Stadtteil
Aufnahmen pro MonatAnfragen, aus denen ein Pflegevertrag wirdAufnahmeliste
Bewerbungen pro MonatEingegangene Bewerbungen, getrennt nach Fach- und HilfskräftenBewerbungseingang
Kosten pro AufnahmeWerbeausgaben geteilt durch neue Klienten aus bezahlten KanälenAnzeigenkonto plus Aufnahmeliste

Dazu kommen zwei Frühindikatoren: Wie oft wirst du bei Google in der Karte angezeigt, und wie viele Bewertungen kommen pro Monat dazu? Beide findest du im Google-Unternehmensprofil. Wie du die Sichtbarkeit bei Google gezielt steigerst, steht im Ratgeber SEO für Pflegedienste.

Typische Fehler im Marketingkonzept

  • Werben ohne Kapazität: Anzeigen laufen, die Touren sind voll. Jede Anfrage endet mit einer Absage.
  • Recruiting vergessen: Das Konzept plant nur Klienten. Dabei entscheidet Personal über das Wachstum.
  • Keine Anfragequelle erfasst: Nach drei Monaten weiß niemand, welcher Kanal wirkt.
  • Zu viele Kanäle: Instagram, TikTok, Newsletter, Flyer und Messe gleichzeitig. Nichts davon wird richtig gemacht.
  • Standorte in einen Topf: Bei mehreren Stützpunkten braucht jeder eigene Zahlen, ein eigenes Google-Profil und eigene Maßnahmen.

Die Vorlage als Checkliste

  • Anfragen, Quellen und Absagegründe der letzten sechs Monate liegen vor
  • Vier Zielgruppen mit je einer Kernbotschaft beschrieben
  • Positionierungssatz formuliert und vom Team geprüft
  • Einsatzgebiet in Kern, Rand und außerhalb aufgeteilt
  • Zwei bis drei Kanäle pro Zielgruppe festgelegt
  • Budget für Geld und Arbeitszeit eingeplant
  • 90-Tage-Plan mit Verantwortlichen und Terminen
  • Fünf KPIs mit monatlichem Messtermin

Du führst mehrere Stützpunkte im Ruhrgebiet und willst das Konzept nicht selbst umsetzen? Auf unserer Seite zum Pflegedienst-Marketing siehst du, wie wir jeden Standort einzeln sichtbar machen. Für die organische Sichtbarkeit einer einzelnen Website ist unsere SEO-Agentur der Einstieg. Für Termine vor Ort kommen wir im Ruhrgebiet vorbei.

FAQ · Marketingkonzept Pflege Häufige Fragen

Marketingkonzept.
Kurz Beantwortet.

Wie kann man in der ambulanten Pflege Kunden gewinnen?+
Über drei Wege: Sichtbarkeit bei Google, verlässliche Beziehungen zu Zuweisern und Empfehlungen zufriedener Familien. Ein vollständiges Google-Unternehmensprofil und eine Website mit Einsatzgebieten sorgen dafür, dass Angehörige dich finden. Hausärzte und Kliniksozialdienste empfehlen Dienste, die schnell zusagen. Und Familien empfehlen dich weiter, wenn die Versorgung stimmt.
Was ist Marketing im Gesundheitswesen?+
Marketing im Gesundheitswesen umfasst alles, womit Praxen, Kliniken und Pflegedienste Patienten, Klienten und Mitarbeitende erreichen. Es unterscheidet sich von anderen Branchen durch strengere Regeln, etwa durch das Heilmittelwerbegesetz und die Schweigepflicht, und durch Entscheidungen, die oft unter Zeitdruck und in belastenden Situationen fallen.
Was ist der Unterschied zwischen Pflegekonzept und Marketingkonzept?+
Das Pflegekonzept beschreibt, wie ein Dienst pflegt: Pflegeverständnis, Pflegemodell, Abläufe und Qualitätsanspruch. Das Marketingkonzept beschreibt, wie Klienten und Pflegekräfte zum Dienst finden. Die Inhalte des Pflegekonzepts liefern oft die glaubwürdigsten Argumente für die Werbung.
Wie lange dauert es, ein Marketingkonzept zu erstellen?+
Mit dieser Vorlage schaffst du den ersten Entwurf in zwei bis drei Arbeitstagen. Am längsten dauert meist die Ist-Analyse, weil Anfragequellen selten erfasst werden. Starte deshalb sofort mit einer einfachen Liste am Telefon. Nach 90 Tagen überarbeitest du das Konzept mit echten Zahlen.
Brauche ich für ein Marketingkonzept eine Agentur?+
Nein. Das Konzept selbst kannst du mit dieser Vorlage erstellen, denn du kennst dein Team, deine Touren und deine Zuweiser am besten. Eine Agentur lohnt sich bei der Umsetzung: Website, Google-Profile für mehrere Standorte, Anzeigen und Recruiting-Kampagnen kosten Zeit, die in der Pflegedienstleitung meist fehlt.
Wie oft sollte ich das Marketingkonzept überarbeiten?+
Alle 90 Tage prüfst du die Kennzahlen und passt die Maßnahmen an. Das ganze Konzept überarbeitest du einmal im Jahr oder wenn sich Wesentliches ändert: ein neuer Standort, eine neue Leistung wie Intensivpflege oder ein deutlicher Wechsel beim Personal.
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